Ehrengericht

Seit über 100 Jahren verfügt die Geschendorfer Feuerwehr über ein Ehrengericht. Über den Anlass für seine Gründung gibt es nur Vermutungen. Verankert ist es bereits in der Satzung der Feuerwehr Geschendorf vom 5. August 1906, ist in der Chronik nachzulesen: „Das Ehrengericht besteht aus zwei Führern und drei Feuerwehrleuten, welche von der Hauptversammlung alljährlich neu zu wählen sind. Der Hauptmann ist ständiges Mitglied des Ehrengerichts ohne Stimmrecht, jedoch mit der Berechtigung, jederzeit gehört zu werden. Der Vorsitzende des Ehrengerichts wird von den Mitgliedern desselben aus ihrer Mitte gewählt. Das Ehrengericht ist befugt:

1. Verweise zu erteilen
2. Geldstrafen bis zu 6 Mark zu erkennen
3. Mitglieder aus der freiwilligen Feuerwehr zu entlassen beziehungsweise auszuschließen.
Die Beschlußfassung erfolgt durch einfache Stimmenmehrheit.“

In derselben Satzung wird dem Hauptmann zugestanden, bei Dienstvergehen Geldstrafen bis zu 1,50 Mark festzusetzen. Anfang des vergangenen Jahrhunderts war das sehr viel Geld. Ein Tagelöhner etwa verdiente 45 Pfennige pro Tag, ein Maurer 40 Pfennig pro Stunde, ein Schmiedegeselle 4 bis 5 Mark pro Woche. Für die Höchtsstrafe von 6 Mark hätte man ein Paar guter Reitstiefel aus Leder kaufen können.

Heute ist das Ehrengericht eher eine heitere Angelegenheit. Strafen werden verhängt für Rauchen im Dienst, wenn das Handy während des Dienstes klingelt oder die Uniform nicht komplett ist.
Und die Ahndung ist auch längst nicht mehr so drakonisch wie früher: Fenster putzen am Gerätehaus, Auto waschen mit dem Gerätewart, oder Spenden in Form von Bier, Cola und Wurst für das nächste Grillfest.